30.12.11
flügellahme ansprüche
Nach monatelanger Abstinenz furchtbar Erhellendes über unseren haßgeliebten FCN, der bekanntlich eine recht unterschiedliche Vorrunde hinter sich hat, die er schießlich letzte Woche mit einem Nulleins gegen den DTV (Dorf- und Teeverein) Vestenbergsgreuth gekrönt hat. Werde mich in diesem Beitrag nur so ausgangspunktmäßig etwas mit Forderungen aus diversen Foren beschäftigen, um so sozusagen über den Kampf ins Spiel zu kommen.
"Verstärkte Offensive"
Nee, ganz im Gegenteil, Dieter Hecking sollte - wie beim erfolgreichen Klassenherhalt 2010 - verstärkt auf Verteidigung setzen. Es gab während Vorrunde einige Spiele, in denen wir zu offensiv waren, in denen die Balance zwischen Angriff und Verteidigung nicht gestimmt hat. Wirksame Defensive gibt Sicherheit, Stabilität und deshalb größeres Vertrauen beim Abschluß, überragend waren wir angriffsmäßig übrigens letztes Jahr auch nicht, hinten standen wir aber insgesamt stabiler und solider und waren deshalb auch erfolgreicher
Geradezu begeistert war ich - und das muss ich als Defensivfanatiker einmal loswerden - von der taktischen Aufstellung in Leverkusen, als sich unser alter, belgischer Haudegen Timmy Simons immer wieder in die Abwehrkette fallen hat lassen, wir haben also teilweise mit einem Fünfdreizwei gespielt.
Trotzdem muss auf den Flügeln noch war getan werden, so transfermäßig. Uns fehlt dort ein weiterer Spieler, der die Flanke sowohl nach hinten als auch nach vorne gut bearbeiten kann. Eigler ist dort keine optimale Besetzung, Hegeler eigentlich auch nicht. Übrigens und nicht so ganz zusammenhangslos gefällt mir die Idee, im kommenden Jahr den tragischen Breno als Ersatz für Wollscheid - übrigens auch nicht mehr so stark wie letztes Jahr - auszuleihen.
"Torwartwechsel"
Diese Forderung ist so richtig wahnsinnig. Patrick Rakovsky hat gegen Dortmung so gut wie nichts auf den Kasten bekommen, die Bälle, die auf's Tor kamen, hätten auch Schäfer und Stephan problemlos gehalten. Im Spiel gegen den FCA zeigte er - obwohl er dort noch weniger zu tun hatte - deutliche Nervosität. Vor allem die Abwehrspieler müssen das Gefühl haben, dass sie sich auf den Menschen zwischen den Pfosten und der Latte verlassen können. Wenn das nicht der Fall ist, dann wird es so richtig ungemütlich.
Lucien Favre konnte letztes Jahr mit dem Einsatz von Ter Stegen keinen Fehler machen, Logan Bailly spielte eine katastrophale Saison, Heimeroth war kein Rückhalt, Gladbach war abgeschlagen. Er hatte schlichtweh nichts zu verlieren. Die Situation beim Club sieht da mit akzeptablen achtzehn Punkten doch etwas anders aus. Wir haben nichts zu riskieren und schon gar nichts zu verschenken. Schäfer spielt keine überragende Saison, keine Frage, und klebt auch für meinen Geschmack zu sehr auf der Linie, müsste im Fünfer präsenter sein, hält aber alles in allem verlässlich.
"Alexander Esswein - Entdeckung der Vorrunde"
Erst einmal spielt der Mann eine durchaus beachtliche Saison, schließlich ist es seine erste "richtige", er kam aus der dritten Liga und hat seine Sache wirklich gut gemacht. Er ist im Einsgegeneins aufgrund seiner Geschwindigkeit kaum zu halten, wirbelt und bringt sich immer wieder in vielversprechende Situationen, ist daher auffällig,
Guckt man aber genauer hin, muss man feststellen, dass er so gut wie nichts auf diesen Situationen macht, er ist einfach ineffizient. Ein mickriges Törchen steht auf seinem Konto. Kollege Pekhart, hat da - obwohl er schwer in der Luft hängend den Einzelkämpfer geben muss - immerhin schon vier Tore und vier Vorlagen auf dem Konto. Ordentliche Werte angesichts unseres allzu lauen Angriffslüftchens. Im Übrigen macht die gleichzeitige Kritik an mangelnder Offensive und an Pekhart nicht wirklich Sinn, da ersteres gerade bedeutet, dass unser Mittelstürmer eben nicht ausreichend versorgt wird. Flanke schlagen und dann den Ball auch noch selbst versenken, geht halt nicht.
Zurück zum eigentlichen Thema, der wahrscheinlich verpflichtete Hlousek - der laut den Lauterer Fans als eher defensive Variante auf der selben Position gilt - brachte es letzte Saison in dreizehn Spielen auf ein Tor und eine Vorlage. Der gescholtene Markus Feulner - der es auch meiner Meinung nach besser kann - kam trotz durchschnittlicher Leistung auf ein Tor und vier Torvorlagen, in elf Spielen wohlgemerkt, denn zwei seiner Dreizehn Einsätze waren zu kurz, um sie tatsächlich bewerten zu können. Langer Schreibe usw., der gute Alexander muss beim Abschluss einfach konzentrierter und übersichtiger werden.
"Didavi ist auf die Acht"
Daniel ist ein sehr talentierter, aber eben ein reiner Offensivspieler, wenn wir den auf der zweiten, zentralen Defensivposition einsetzen, fällt die verteidigungsmäßig so gut wie weg und Timmy Simons - der übrigens auch in dieser Spielzeit die Zone vor der Abwehr gut verteidigt - muss sich dann dort alleine 'rumschlagen. Feulner wäre als vielseitiger Spieler auf dieser Position vorstellbar, ich tendiere aber zu "Cohen dem Zerstörer", also der konservativeren Variante, aber nur falls der wieder dieForm des letzten Jahres findet.
"Die Grottenkicker"
Ich bin überzeugt dass wir in der letzten Saison aus den Spielen gegen den VfB Stuttgart (zweizwei), Mainz 05 (dreidrei) und Freiburg (einszwei), nicht nur zwei, sondern mindestens fünf Punkte geholt hätten. Auswärts gegen Wolfsburg und den HSV zumindest einen Punkt, tja und dann kommen wir wieder auf die Zweiunszwanzig des letzten Jahres.
Zum unvermeidlichen "aber": Die Verletzungen von Maik Frantz, Per Nilsson und auch Xavier Pinola haben uns so richtig getroffen. Uns ist damit die komplette linke Seite - mit Franz und Pinola - weggebrochen. Esswein offenbart defensiv "taktische Schwächen", wie das der verehrte Hans Meyer formulieren würde, so wird unser Marvin Plattenhardt etwas allein gelassen und der ist in diesem Fall bei gutem Spiel ein ordentlicher Linksverteidiger, bei durchschnittlichem aber überfordert, Verstärkung ist deshalb absolut notwendig.
Nichts gegen Dominik Maroh, der einen soliden Stopper bringt, aber der Dominik ist ein durchschnittlicher Kopfballspieler, hat Probleme beim Spielaufbau und besitzt bei weitem nicht die Präsenz eines Per Nilsson oder Andi Wolf und a propos Andi Wolf, da wären wir beim nächsten Problem, nämlich bei der fehlenden, permanenten Ekelhaftigkeit. Wir wirken oftmals zu brav. Peinliche Kommentare wie der von Philpp Wollscheid nach dem Hoffenheim-Spiel, als er sich über Ibisovics Spruch ("Es wird jetzt gleich weh tun", den Spruch gab es schon zu Zeiten meines Großvaters) jammerte, sind ein Indikator für diese Bravheit.
Diese Harmlosigkeit, die fehlende Entschlossenheit hat aber auch eine andere Ursache, die nichts mit der Qualität der Mannschaft oder Verletzungspech zu tun hat. Nach dem hervorragenden Start haben einige wohl das Gefühl entwickelt, bereits im Establishment der Bundesliga angekommen zu sein, und waren dann ganz stolz und leider selbstzufrieden und wollten gewisse Dinge auf dem Platz ganz spielerisch lösen, ja, und das ist dann so der Moment, in dem ein gewisser Herr Schlendrian zum elften Mann auf dem Platz gerät und wenn die Spieler den mitspielen lassen, dann wird das eben nichts mit dem Gewinnen und so richtig abstiegsgefährlich.
1 kommentare:
Au man, Bernie, ich habe schon befürchtet, Du wärst verstorben.
Guter Vorsatz im neuen Jahr: Mal wieder öfter ein Kommentar? Prost!
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